Anglizismen in der Zauberei

„Ich mixe die Karten face-up/face-down, fair oder? Einmal snappen und deine Karte ist als einzige face-Up: Der King of Diamonds!“ So ungefähr lautete der Vortrag eines jungen Zauberers, den ich kürzlich im Zauberparadies traf. Böse Zungen behaupten, Youtube habe hier seine Finger mit im Spiel gehabt… Eine Feststellung von Tino Plaz.

Ein neuer sprachlicher Trend in der Zauberei?

Damit ist der junge Mann kein Einzelfall. Immer öfters höre ich solche Texte zu Kartentricks. Ich habe absolut nichts gegen Anglizismen – wenn diese in leicht verdaulichen Häppchen verwendet werden und vom Empfänger sofort verstanden werden. Ich bezweifle aber sehr stark, dass auch nur 5% der Laien im deutschsprachigen Raum das Wort „face-up“ verstehen. Genauso wenig wie „Shuffle“ oder „Cut“. Wir sind schlichtweg nicht mit diesen Wörtern aufgewachsen und können sie dementsprechend nicht einmal dem Zusammenhang „Spielkarten“ zuordnen.

Zuschauer nicht verwirren

Zauberei soll: Spass machen, unterhalten, Staunen auslösen, Illusionen des Unmöglichen erzeugen, zum Träumen anregen, Emotionen hervorrufen und noch vieles mehr. Ist Ihnen aufgefallen, dass in dieser kurzen Aufzählung der Punkt „Verwirren“ fehlt? Das soll sie nämlich nicht, unsere geliebte Zauberkunst. Warum aber halten wir uns nicht einfach daran und belasten den Zuschauer stattdessen mit unnötigen und irritierenden Handlungen oder Texten? Grundsätzlich soll der Zuschauer ja „zuschauen“ und nicht noch viel „Hirnarbeit“ verrichten müssen. Wenn nun aber ein Zauberer zum Schluss irgendeine „Random-Card“ findet, soll der „Spectator“ sicher nicht noch darüber nachdenken müssen, was jetzt dieses seltsame Wort bedeutet.

Wo liegt das Problem?

Natürlich stehen diese englischen Ausdrücke auch alle in unseren Zauberbüchern – ich behaupte aber, dass diese vorwiegend von jungen Youtubern adaptiert werden. Zuviele sind mir schon begegnet, als dass sich dies leugnen liesse. Was will ich jetzt aber mit diesem Text erreichen? Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Zauberer sich mit dieser Ausdrucksweise selbst Steine in den Weg legen. Macht es euch nicht schwieriger als nötig! Klar – nicht jedes Kunststück muss ein super-originelles Skript haben. Aber dann sollte man als Publikum zumindest verstehen, was der Vorführende von einem will, damit man den Effekt auch geniessen kann.

Ich lade jeweils hier im Zauberparadies gerne Besucher dazu ein, ein Kunststück vorzuzeigen. Jetzt wird einem aber oft ein Kartenfächer entgegengehalten, mit der stummen Aufforderung, eine Karte zu ziehen. Ich hasse das wirklich. SAGT DEM ZUSCHAUER, WAS IHR VON IHM WOLLT! Wir Zauberer sind so in unserer Welt festgefahren, dass uns alle Handlungen und Vorgehensweise selbstverständlich erscheinen. Aber Laien, die nicht jede Sekunde Ihres Lebens damit verbringen, Kartentricks zu studieren, stehen in einer solchen Situation hilflos da.

Der Gefahren bewusst sein

Jetzt da das alles einmal erwähnt und geklärt wäre, fasse ich abschliessend zusammen: Zuschauer sollen klare und verständliche Anweisungen bekommen, damit sie sich völlig gehen lassen können – kurz – man darf sie nicht verwirren. Da zu viele englische Bezeichnungen dies zweifellos tun, schlage ich vor, dass wir darauf verzichten. Als Zauberer müssen wir uns ständig auch in die Warte des Publikums versetzen können. Nur so können wir uns verbessern und unsere Kunststücke optimieren. Warum fangen wir nicht gleich heute damit an?

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